Makro-Reisebeschreibung

Theatertreffen 03.04.2006. Aufgabe: Schreibt eine Makro-Reisebeschreibung, ca.10 min Zeit.

Ich befinde mich in der Küche, sitze am Tisch. Draußen scheint seit langem die Sonne. Sie brutzelt ins Fenster und erwärmt den Raum. Kein Lufthauch – der Restsauerstoff scheint sich in den Ecken zu verstecken. In meine Nase dringt ein leicht fauliger Geruch, süßlich mit einer leichten Säure vermischt. Der Geruch zwingt mich zum Aufstehen. Drei Schritte bis zur Spüle. Leicht vorn über gebeugt schlage ich den Deckel zurück und entnehme dem Eimer den Beutel. Ein neuer Geruch taucht auf, er erinnert an Waldboden. Der Beutel tropft leicht und markiert den Weg in den Flur mit kleine Punkte, Tropfen.

Das Gehen fällt mir schwer, Schweiß steht mir auf der Stirn. Langsam öffne ich die Wohnungstüre. Endlich, ein kleiner Hauch kühlt mein Gesicht. Einen Fuß vor den anderen stapfe ich mit dem Beutel in der Hand nach unten. Eine Fliege brummt am Ohr vorbei. Eine Treppe tiefer, auf der letzten Stufe liegt ein Zigarettenstummel. Nilzigaretten – er stammt vom Mieter oben unterm Dach. Dort lebt er allein. Man sieht ihn selten. Meine Beine tragen mich weiter. Eine Spinne spinnt ihr Netz, repariert eine Lücke. Langsam dringt Sauerstoff durch meinen Körper, die Luft wird frischer. Ein letztes Mal um die Ecke, die Tür nach Draußen klemmt. Mit einem Ruck kann ich sie öffnen. Die Sonne scheint nun direkt in mein Gesicht; ich kneife die Augen zusammen und schreite wieder einige Stufen aufwärts. Eine Katze kreuzt meinen Weg, bleibt kurz stehen, beobachtet mich. Einige Schritte nun über Kiesel. Der Geruch wird wieder stärker. In der Ecke schwitzen gelbe Säcke. In der zweiten Tonne ist noch Platz. Ich werfe den Beutel aus meiner Hand hinein. Den Atem kurz angehalten, bis der Deckel wieder geschlossen ist.

04. April 2006 von
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