30 Sekunden

Gerade hatten wir Wochenendprobe mit dem Theater Chaosium. Nun sitzen alle alleine zuhause vor dem Fernseher und jeder ist aufgeregt wie vor einem Auftritt. Es ist Sonntag 19:28 Uhr. Thomas Gottschalk taucht auf dem Bildschirm auf: „… beim Theater Chaosium aus Kassel erarbeiten Schauspieler mit und ohne Psychiatrieerfahrung gemeinsam ihre Stücke …“ es wirkt irgendwie surreal, wenn man die eigene Gruppenbeschreibung aus dem Mund eines berühmten TV-Moderators hört. Es folgen die 30 Sekunden auf die wir alle hingefiebert haben: „Aktion Mensch bedeutet für mich, wieder in die Realität zurückzufinden …“

Drei Monate zuvor proben wir auf der Studiobühne des Kulturhauses Dock 4. Ein kleines nettes Filmteam von Bewegte Zeiten Filmproduktion GmbH ist zu Besuch und fängt Bilder ein. Für den TV-Spot gibt Manfred, einer unserer Spieler, noch ein kurzes Interview. Wir alle sind positiv überrascht, wie gut er das macht, aber auch wie sensibel der Redakteur nachfragt. Die Gruppe applaudiert und kurz darauf ist der Besuch schon wieder abgereist.

Der geheime Garten - Theater Chaosium

Theater Chaosium: Der geheime Garten | Foto: Norbert Risch

Aktion Mensch fördert die Arbeit des Theater Chaosium nun schon seit einigen Jahren und trägt damit maßgeblich zum positiven Fortbestand dieser wertvollen und tollen Arbeit bei. Zur Bekanntgabe der Aktion Mensch Lotterie Gewinnzahlen wird immer kurz ein gefördertes Projekt vorgestellt. 30 Sekunden in denen diesmal das Theater Chaosium zu sehen ist. Manfred spricht vielen des Chaosium-Ensembles aus der Seele: „Die Krankheit ist zwar da, aber man kann etwas dagegen machen. Für mich ist Theaterspielen Alles. Probe, Auftritt, Lampenfieber … da sind wir alle eins, da sind wir das Theater Chaosium … Und es macht Spaß. Und wenn etwas Spaß macht, und wenn man daran sein Herz gefunden hat, dann gibt man das nicht so leicht auf!“ Beim Schlusssatz ist sein Lächeln zu sehen und die Freude von der er spricht zeichnet sich deutlich auf seinem Gesicht ab.

30 Sekunden sind schnell vorbei. Zum Glück gibt es Videorekorder und so schauen wir bei der nächsten Probe den Spot gleich mehrere Male hintereinander an und freuen uns daran immer wieder aufs Neue.

[Diesen Artikel habe ich für die Serpentine (Zeitung der Sozialtherapie Kassel e. V.) geschrieben.]

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15. Mai 2011 von radunz
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