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Personnages [madness & arts]

Mittwoch, 10. Mai 2006

Madness & arts Festival Münster, Samstag 06.05.2006, Theater im Pumpenhaus

In eine Probe am Theater (in diesem Falle nur der Regisseur mit einer fiktiven Person am Licht) platzen sechs Personen auf der Suche nach einem Menschen, der ihnen die Möglichkeit des Auflebens und der Daseinsberechtigung bietet. Pirandellos Farce “Sechs Personen suchen einen Autor” wird von der Compagnie de l’Oiseau-Mouche aus Roubaix (Frankreich) sehr tänzerisch, poetisch und aufs Wesentliche reduziert umgesetzt.

Wie Hänsel und Gretel Spuren hinterlassend, tauchen die sechs im Theater auf, Kieselsteine zeichnen den Weg. Sie alle haben Mund, Zunge, Augen, Ohren etc. alles dran nur niemand füllt ihre Existenz mit Sinn. So tanzen sie um ihr Leben. Blecheimer gefüllt mit den restlichen Kieselsteine werden zu Rhythmusmaschinen, eine Staubwolke füllt den Raum…

Später ist der Boden, das Theater mit all den Steinen bedeckt und dem Regisseur ist alles zu verrückt: “Ein Schauspieler braucht ein Textbuch!”. Er zeigt ihnen wo es lang geht, seine Vision von Theater: an Gummiseilen hängend sagen sie immer wieder seinen Text auf und vollführen seine Bewegungen, bis sie erschöpft am Boden liegen.

Am Ende zeichnen den Tatort Theater die Kreideumrisse der Personen… sie haben Spuren hinterlassen.

Schnell wird dieses, durch Tanz und Poesie bestechende Stück zur Frage nach der Daseinsberechtigung nicht nur als Künstler sondern viel mehr als Mensch, als “unfertiger” Mensch und eben auch als Mensch mit Behinderungen. Und schnell wird klar diese sechs haben viel zu bieten, egal wie unfertig sie sein mögen…

open-space-project [madness & arts]

Mittwoch, 10. Mai 2006

Madness & arts Festival Münster, Samstag 06.05.2006, Theater im Pumpenhaus

“Hamlet, hast du deine Medizin genommen?” – unter diesem Motto schauen die ca. 40 Zuschauer dem open-space-projekt zu, werden selbst Teil des Ganzen. Wir alle tragen goldene Königsmasken, genau wie die Spieler/innen.

Zuvor wurden Proben per Video festgehalten, Tonaufnahmen in unterschiedlichen Sprachen gemacht. All das wird Teil der Inszenierung: Videoprojektionen, Text vom Band, das Spiel im Raum und schließlich auch die Zuschauer, jetzt ebenso im Raum anwesend.

Wer hier ein klassisches Theater erwartet hat, wird sicher enttäuscht. Vielmehr ist es ein Spiel mit den Möglichkeiten. Hier spielt niemand Theater, es hat mehr von einem kindlichen darstellenden Spiel, einem kurzen in die Rolle schlüpfen, gepaart mit multimedialen Elementen. Nicht immer kann ich als Außenstehender folgen, manches verschwindet im Chaos. Doch alle Beteiligten sind anwesend: Mancher, in Polen gebliebener, ist als Projektion zu sehen, manch anderer ausgefallener Spieler als Stimme zu hören. Dieses Experiment ist sicher eigenwillig, verfolgt jedoch einen Arbeits(Spiel)ansatz, mit dem vieles möglich ist.

global madness

Montag, 08. Mai 2006

Heute Nacht kam ich frisch vom “madness & arts” Festival zurück, voller Eindrücke und guter Stimmung. Die Atmosphäre auf dem Festival war total angenehm und ich habe mich ein bisschen geärgert nicht schon Tage vorher hingefahren zu sein.

Sehr unterschiedliche Gruppen aus Europa und der ganzen Welt hatten sich hier zusammen gefunden. Alle vereinte die Auseinandersetzung mit dem Thema Psychiatrie und/oder Behinderung. An allen präsentierten Stücken waren Menschen mit Psychoseerfahrungen und/oder Behinderungen beteiligt. Allen Gruppen war der Focus auf das Theaterspielen eigen, der Blick weg von Defiziten hin zu Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ressourcen.

Dem Symposium der Spieler/innen, dem “Blick von Innen” vernahm ich, die Theaterarbeit bietet jedem die Chance als vollwertig angenommen zu werden, als Künstler und Schauspieler wahrgenommen und beachtet zu werden. Ängstlichen Ärzten zum Trotz wird diese Arbeit als Kraftpool, mitunter Lebensinhalt statt als Rückfallpotenzial gesehen.

Mein Kompliment gilt den Festivalorganisatoren, voran Manfred Kerklau und Paula Artkamp, den vielen helfenden Händen, insbesondere auch dem Theater im Pumpenhaus, die (wie ich es dort auch nie anders erlebt habe) große Flexibilität und Professionalität beweisen. Mein Kompliment gilt aber vor allem allen beteiligten Gruppen, die bewiesen haben, dass die “global madness” ein leuchtender, schillernder Stern sein kann.

In den nächsten Blogbeiträgen folgen weitere Eindrücke und Gedanken zu den von mir besuchten Stücken und Produktionen auf dem Festival.