Trägt sie eine Waffe?

vom Spielclub Ü18 des Staatstheaters Kassel

Neun Personen finden sich auf so etwas wie einem Bahnsteig wieder, bepackt mit allerhand Zeug. Der eine schleppt mehr mit sich herum, der andere weniger. Einer von diesen Personen ist ein Mann, der ist zufällig hier gelandet, findet sich unter all den Frauen aber scheinbar schnell zurecht. Die Frauen haben ihr bisheriges Leben verlassen, habe sich getrennt, sind getrennt worden und straucheln nun zwischen Rückbindung und Neuorientierung hin und her, treffen aufeinander, mögen sich kurz, dann auch wieder nicht. Plötzlich steht die Frage im Raum warum eigentlich jeder eine Waffe bei sich trägt und es wird klar dass es nie richtig still um einen herum werden kann…

Text und Regie: Stefanie Bockermann
Assistenz / Ausstattung: Tobias Laaber

Es ist das erste Mal seit längerem, dass ich mal wieder als Spieler auf der Bühne stehe. Ich freu mich auf die Aufführungen:

07. Juli 2007 – 20:15 Uhr im TIF Theater im Fridericianum – Kassel (leider schon ausverkauft) und am
08. Juli 2007 – 20 Uhr in der Kulturfabrik Salzmann – Sandershäuser Str. 34 – Kassel

Personnages [madness & arts]

Madness & arts Festival Münster, Samstag 06.05.2006, Theater im Pumpenhaus

In eine Probe am Theater (in diesem Falle nur der Regisseur mit einer fiktiven Person am Licht) platzen sechs Personen auf der Suche nach einem Menschen, der ihnen die Möglichkeit des Auflebens und der Daseinsberechtigung bietet. Pirandellos Farce “Sechs Personen suchen einen Autor” wird von der Compagnie de l’Oiseau-Mouche aus Roubaix (Frankreich) sehr tänzerisch, poetisch und aufs Wesentliche reduziert umgesetzt.

Wie Hänsel und Gretel Spuren hinterlassend, tauchen die sechs im Theater auf, Kieselsteine zeichnen den Weg. Sie alle haben Mund, Zunge, Augen, Ohren etc. alles dran nur niemand füllt ihre Existenz mit Sinn. So tanzen sie um ihr Leben. Blecheimer gefüllt mit den restlichen Kieselsteine werden zu Rhythmusmaschinen, eine Staubwolke füllt den Raum…

Später ist der Boden, das Theater mit all den Steinen bedeckt und dem Regisseur ist alles zu verrückt: “Ein Schauspieler braucht ein Textbuch!”. Er zeigt ihnen wo es lang geht, seine Vision von Theater: an Gummiseilen hängend sagen sie immer wieder seinen Text auf und vollführen seine Bewegungen, bis sie erschöpft am Boden liegen.

Am Ende zeichnen den Tatort Theater die Kreideumrisse der Personen… sie haben Spuren hinterlassen.

Schnell wird dieses, durch Tanz und Poesie bestechende Stück zur Frage nach der Daseinsberechtigung nicht nur als Künstler sondern viel mehr als Mensch, als “unfertiger” Mensch und eben auch als Mensch mit Behinderungen. Und schnell wird klar diese sechs haben viel zu bieten, egal wie unfertig sie sein mögen…

open-space-project [madness & arts]

Madness & arts Festival Münster, Samstag 06.05.2006, Theater im Pumpenhaus

“Hamlet, hast du deine Medizin genommen?” – unter diesem Motto schauen die ca. 40 Zuschauer dem open-space-projekt zu, werden selbst Teil des Ganzen. Wir alle tragen goldene Königsmasken, genau wie die Spieler/innen.

Zuvor wurden Proben per Video festgehalten, Tonaufnahmen in unterschiedlichen Sprachen gemacht. All das wird Teil der Inszenierung: Videoprojektionen, Text vom Band, das Spiel im Raum und schließlich auch die Zuschauer, jetzt ebenso im Raum anwesend.

Wer hier ein klassisches Theater erwartet hat, wird sicher enttäuscht. Vielmehr ist es ein Spiel mit den Möglichkeiten. Hier spielt niemand Theater, es hat mehr von einem kindlichen darstellenden Spiel, einem kurzen in die Rolle schlüpfen, gepaart mit multimedialen Elementen. Nicht immer kann ich als Außenstehender folgen, manches verschwindet im Chaos. Doch alle Beteiligten sind anwesend: Mancher, in Polen gebliebener, ist als Projektion zu sehen, manch anderer ausgefallener Spieler als Stimme zu hören. Dieses Experiment ist sicher eigenwillig, verfolgt jedoch einen Arbeits(Spiel)ansatz, mit dem vieles möglich ist.

global madness

Heute Nacht kam ich frisch vom “madness & arts” Festival zurück, voller Eindrücke und guter Stimmung. Die Atmosphäre auf dem Festival war total angenehm und ich habe mich ein bisschen geärgert nicht schon Tage vorher hingefahren zu sein.

Sehr unterschiedliche Gruppen aus Europa und der ganzen Welt hatten sich hier zusammen gefunden. Alle vereinte die Auseinandersetzung mit dem Thema Psychiatrie und/oder Behinderung. An allen präsentierten Stücken waren Menschen mit Psychoseerfahrungen und/oder Behinderungen beteiligt. Allen Gruppen war der Focus auf das Theaterspielen eigen, der Blick weg von Defiziten hin zu Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ressourcen.

Dem Symposium der Spieler/innen, dem “Blick von Innen” vernahm ich, die Theaterarbeit bietet jedem die Chance als vollwertig angenommen zu werden, als Künstler und Schauspieler wahrgenommen und beachtet zu werden. Ängstlichen Ärzten zum Trotz wird diese Arbeit als Kraftpool, mitunter Lebensinhalt statt als Rückfallpotenzial gesehen.

Mein Kompliment gilt den Festivalorganisatoren, voran Manfred Kerklau und Paula Artkamp, den vielen helfenden Händen, insbesondere auch dem Theater im Pumpenhaus, die (wie ich es dort auch nie anders erlebt habe) große Flexibilität und Professionalität beweisen. Mein Kompliment gilt aber vor allem allen beteiligten Gruppen, die bewiesen haben, dass die “global madness” ein leuchtender, schillernder Stern sein kann.

In den nächsten Blogbeiträgen folgen weitere Eindrücke und Gedanken zu den von mir besuchten Stücken und Produktionen auf dem Festival.

Hirn stürmen

Die Gesellschaft für Kreativität e.V. setzt sich die Förderung der Kreativität in der Gesellschaft zum Ziel. Auf den Webseiten finden sich allerlei Infos, Artikel, Termine.

Wer mal was anderes als das klassische Brainstorming ausprobieren möchte, findet unter den Kreativitätstechniken vielleicht etwas passendes.

Störche und Pinguine [Spiel]

“Störche und Pinguine” ist eine Art Katz und Maus Spiel. Anfangs gibt es einen Storch und der Rest der Gruppe sind Pinguine. Die Pinguine bewegen sich wie solche (z.B.: Tippelschritte, die Beine dürfen nicht auseinander, die Arme liegen an und die Hände sind angespreitzt). Der Storch bewegt sich wie ein großer steifer Storch, wobei die Arme den Schnabel darstellen (entweder mit steifen Knien große Schritte machen oder bei jedem Schritt das Knie so hoch wie möglich, dann ausstrecken und absetzen – wichtig ist, den Gang zu verlangsamen. Der Schnabel, in diesem Falle die Arme, gehen immer auf und zu).

Der Storch muss nun die Pinguine fangen und mit dem Schnabel beißen, die verwandeln sich dann auch in Störche (das ist eines dieser komischen Gesetzte wider die Biologie) und fangen fleißig mit ihre ehemaligen Artgenossen.

Ein herrlich albernes Spiel, was viel Spaß macht.

Ein kleiner Hey im Netz

Neben einigen Texten als mp3 bietet www.theateraufcd.de ein wirklich ausführliches Sprechtraining, sicher nicht nur für Migranten geeignet, sondern für alle die öffentlich sprechen und sich damit etwas mehr auseinandersetzen möchten. Man kann das Ganze als pdf-Dokument herunterladen und das Internet machts möglich: Alle Übungen sind zusätzlich als mp3 eingebunden.

Eine freiwillige Spende ist den Betreibern willkommen.

Makro-Reisebeschreibung

Theatertreffen 03.04.2006. Aufgabe: Schreibt eine Makro-Reisebeschreibung, ca.10 min Zeit.

Ich befinde mich in der Küche, sitze am Tisch. Draußen scheint seit langem die Sonne. Sie brutzelt ins Fenster und erwärmt den Raum. Kein Lufthauch – der Restsauerstoff scheint sich in den Ecken zu verstecken. In meine Nase dringt ein leicht fauliger Geruch, süßlich mit einer leichten Säure vermischt. Der Geruch zwingt mich zum Aufstehen. Drei Schritte bis zur Spüle. Leicht vorn über gebeugt schlage ich den Deckel zurück und entnehme dem Eimer den Beutel. Ein neuer Geruch taucht auf, er erinnert an Waldboden. Der Beutel tropft leicht und markiert den Weg in den Flur mit kleine Punkte, Tropfen.

Das Gehen fällt mir schwer, Schweiß steht mir auf der Stirn. Langsam öffne ich die Wohnungstüre. Endlich, ein kleiner Hauch kühlt mein Gesicht. Einen Fuß vor den anderen stapfe ich mit dem Beutel in der Hand nach unten. Eine Fliege brummt am Ohr vorbei. Eine Treppe tiefer, auf der letzten Stufe liegt ein Zigarettenstummel. Nilzigaretten – er stammt vom Mieter oben unterm Dach. Dort lebt er allein. Man sieht ihn selten. Meine Beine tragen mich weiter. Eine Spinne spinnt ihr Netz, repariert eine Lücke. Langsam dringt Sauerstoff durch meinen Körper, die Luft wird frischer. Ein letztes Mal um die Ecke, die Tür nach Draußen klemmt. Mit einem Ruck kann ich sie öffnen. Die Sonne scheint nun direkt in mein Gesicht; ich kneife die Augen zusammen und schreite wieder einige Stufen aufwärts. Eine Katze kreuzt meinen Weg, bleibt kurz stehen, beobachtet mich. Einige Schritte nun über Kiesel. Der Geruch wird wieder stärker. In der Ecke schwitzen gelbe Säcke. In der zweiten Tonne ist noch Platz. Ich werfe den Beutel aus meiner Hand hinein. Den Atem kurz angehalten, bis der Deckel wieder geschlossen ist.

ab heute und gestern

Ergänzend zu meinem Beitrag vom 18.03.2006 habe ich gerade ein schönes Interview mit Malediva auf BatzLog gefunden. Schön gespickt mit kleinen Ausschnitten aus den Programmen.

Auch habe ich gerade entdeckt, dass die Webseite von Malediva gerade mal wieder einen Relounch erfahren hat. Passend zum neuen Programm “Ab heute verliebt” gibts ein neues Aussehen. Dort finden sich unter Neuigkeiten auch, für alle die es verpasst haben, die Wiederholungstermine der TV-Aufzeichnung der Kleinkunstpreisverleihung auf dem ZDFTheaterkanal (wer empfängt den?).